Sind die Journalisten eigentlich noch ganz bei Trost? Tickt unser Nachrichtenwesen noch ganz richtig? Seit Wochen, nein: seit Monaten quälen sie uns Normalsterbliche tagtäglich mit Meldungen wie „Diese Woche fällt bei Opel die Entscheidung“ und „Der Tag der Wahrheit bei Porsche rückt näher“. Und das nicht etwas in der Wirtschaftskolumne, sondern als Aufmacher in Tagesschau, Tageszeitung und Radionews. Bekanntlich kam es dann in beiden zitierten Fällen doch noch zu keiner Entscheidung. Aber wir Unbeteiligte müssen täglich aufs Neue mitfiebern, ob nun Magna, Fiat, ein belgischer, ein amerikanischer, ein russischer oder gar ein saudischer Investor bei jenen Autofirmen als Anteilseigner mitmischen will. Wir mußten die Guttenberg-Show live verfolgen, wie der Jungminister zum dynamischen Spurt ins us-amerikanische Wirtschaftsministerium ansetzt, wie sich die Politiker Merkel und Steinmeier beim Opel-Betriebsrat die Klinke in die Hand gaben. Und wir mußten ständig in die nichts-sagenden Fratzen der Herren Piech, Porsche und Wiedeking schauen, welche ja doch nur ihre privaten Eigeninteressen verfolgen, und sich da ein Tauziehen um interne Macht bei einer Autofirma liefern. Nicht zu vergessen die Randbeteiligten wie etwa die Betriebsräte der Autofirmen, die nun endlich einmal ihren ganz großen Auftritt vor Fernsehkameras zelebrieren dürfen – auch wenn sie eigentlich nichts zu sagen haben.
Was interessiert uns diese halbgare Information?! Mal davon abgesehen, dass solche finanziellen Beteiligungsgeschäfte gar keine sichtbaren Auswirkungen für den Bürger haben (zumindest in den nächsten Jahren). Seit Monaten jeden Tag aufs Neue dramatisch aufgeheizte Schlagzeilen – doch geschen ist inzwischen rein gar nichts. Opel gehört immer noch GM, VW kommt nicht an Porsche ran — ja und selbst wenn einmal was geschieht, dann ist das doch eine Spartenmeldung im Wirtschaftsfunk, und nicht die große Nachricht des Tages.
Ähnliches gilt aktuell für das Ende der großen Koalition in Schleswig Holstein. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um eine rein regionale Angelegenheit. Warum muß nun ganz Deutschland im Stundentakt erfahren, dass sich die Herren Carstensen und Stegner persönlich nicht mehr grün sind, wer sich was in dieser Angelegenheit vorwürft etc. Wir werden per Mitschnitt auf Wahlkampfveranstaltungen der beiden streitenden Herren mitgenommen, müssen live verfolgen, wie sie sich zu diversen Äußerungen der Gegenseite verhalten und wie sie durch taktische Spielchen ihre Regierungsmacht in Kiel sichern wollen.
Armer Journalismus, der uns nur noch solch halbgares Zeug vorzusetzen weiß. Früher waren Nachrichten mal relevanter und inhaltsreich.
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