Immer wieder Gauweiler

By tageskolumne

Der bundesweit bekannt gewordene, weil stark polarisierende Politiker Gauweiler (CSU) setzt wieder zum Wahlkampf um sein Direktmandat für den Bundestag an. Sein Vorname Peter ist übrigens so gut wie unbekannt, weil der Nachname so griffig wie ein teutscher Schlachtruf klingt (handelt es sich also weniger um einen normalen Bürger wie Max Müller oder Hänschen Huber, sondern eher um ein Programm?). Nun, jener Gauweiler hat dieser Tage in München Süd unübersehbar den Wahlkampf eröffnet. Mit Grußworten zu Erinnerungsfeiern ausgestorbener Heimatverbände, mit Schirmherrschaften von scheintoten Fahnenweihen und dergleichen. Und das in einer Region, in der längst keine echte Heimatpflege mehr existiert; in Stadtteilen, die weder Kern noch öffentliches Leben besitzen, dafür dicke Hecken und Mauern um alte Villen und reiche Wohnanlagen. Gauweiler setzt ganz auf die Karte „Heimat“ und feiert sich selbst als einen – nein als „den“ Konservator von Heimatgefühl. Ganz augenscheinlich meint er, sozial, wirtschaftlich und ökologisch sei alles in Butter in seinem Wahlkreis. Deswegen lohnt es sich auch nicht, aktuelle politische Themen aufzugreifen. Heimat solls richten. Sein noch namenloser Kontrahent um das Direktmanadat von der SPD, setzt auf Plakaten dagegen auf „Solidarität“. Auf jene wieder sehr trendige Parole, die gerade vom Papst (Sozialenzyklika vom 7. Juli) bis zur Linkspartei mit aller Kraft propagiert wird. Eine Parole, die in Zeiten der Finanzkrise wieder exrem an Bedeutung gewonnen hat; wo doch einzelne priviligierte Kreise sich ganz unsozial zu Lasten der Allgemeinheit mit Gier und nochmals Gier bereichert haben…

Von all dem bei Gauweiler kein Ton. Er ignoriert offenbar die sozialen Spannungen bzw. Ungerechtigkeiten, die uns als Gesellschaft gerade so beschäftigen. Er glaubt (und wahrscheinlich hat er im Wahlkreis München Süd sogar recht damit), dass soziale Themen nur stören. Hier fährt man halt noch mit dem Audi Q7 zum Einkaufen, und verbrennt gute 22 Liter Super auf dem Weg zum Tengelmann. Hier hat man offenbar von der Finanzabzocke und der Bankergier der letzten Jahre ganz gut profitiert (?). Hier gibt man auch noch gerne 7,80 Euro für eine Maß Bier in der Waldwirtschaft aus, und verlangt für eine 3-Zimmer-Wohnung mit 100qm selbst heute noch gute 600.000 Euro, ja und von hier aus schreiben Autoren des Focus bzw. Manager Magazins, man solle jetzt unbedingt weiter in Immobilien investieren, egal wie teuer sie sind…. Ja, hier in München Süd scheint die Welt noch in sich zu ruhen, und in diesen stürmischen Zeiten endlich Muße vorhanden zu sein, sich endlich mal mit seinem heimatlichen Wurzeln zu beschäftigen. Für einen Politiker, der sich in politischen Auftritten wie auf seinen Plakaten stets selbstzufrieden, selbstüberzeugt und selbstgerecht gebährdet; für einen Politiker, der in Interviews stets behauptet, in seiner Karriere ja fast alles richtig gemacht zu haben; für einen Politiker, der offiziell im nobelsten Münchner Hotel Bayerischer Hof residiert und sich dort für Pressezwecke ablichten läßt; für solch einen eingebildeten Fatzke ist „Heimat“ natürlich die populistischste, am wenigsten angreifbare, und immer gut aussehende Ausflucht vor der Realität. Ärgerlich nur, dass solch miese, lebensferne Populisten von diesem Schlag damit immer wieder durchkommen.

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